Im chinesischen Shanghai, nahe der Küste des Sonderbezirks Lingang, hat ein innovatives unterseeisches Rechenzentrum (RZ) den vollständigen Betrieb aufgenommen. Das Projekt im Wert von 226 Millionen US-Dollar soll eines der größten Probleme moderner IT-Infrastruktur lösen — die Überhitzung von Hochleistungsservern.
Die Umsetzung des ehrgeizigen Vorhabens erfolgte in Rekordzeit: Der Bau begann im Juni 2025, und bereits im Oktober war die Anlage montiert. Im Februar dieses Jahres bestand das Rechenzentrum erfolgreiche Tests, und in der vergangenen Woche wurde es offiziell in den vollständigen Betrieb genommen.
Das Projekt ist das Ergebnis einer umfassenden öffentlich-privaten Partnerschaft. An seiner Umsetzung beteiligten sich die Regierung der VR China, das Unternehmen HiCloud Technology, das sich auf den Bau unterseeischer Rechenzentren spezialisiert hat und als Hauptauftragnehmer fungierte, sowie mehrere nationale Telekommunikationskonzerne, darunter China Telecom.
Leistung auf dem Meeresgrund
Die technischen Daten der neuen Anlage sind beeindruckend. In einer Tiefe von etwa 35 Metern sind fast zweitausend Server mit einer Gesamtleistung von 24 MW untergebracht. Sie enthalten fortschrittliche Cluster mit Grafikprozessoren (GPU) von China Telecom und LinkWise. Die Hauptaufgabe dieses Unterwasserkomplexes besteht in der Verarbeitung hochkomplexer KI-Algorithmen, der Annotation gigantischer Datenmengen sowie der Unterstützung des reibungslosen Betriebs der 5G-Netzinfrastruktur.
Energieeffiziente Revolution
Moderne landgestützte Rechenzentren verbrauchen enorme Ressourcen für die Kühlung dicht gepackter Serverschränke mit leistungsstarken GPUs und wandeln den Großteil der Energie in Wärme um. Zur Kühlung werden in der Regel komplexe industrielle Klima- und Lüftungssysteme eingesetzt. Herkömmliche Rechenzentren arbeiten häufiger mit einem Energieeffizienzwert (PUE) von etwa 1,5 und höher, was enorme Energiekosten für die Hilfsinfrastruktur statt für die Berechnungen bedeutet.
Das unterseeische Rechenzentrum in Shanghai hingegen nutzt zur Kühlung die natürliche Kälte des Meerwassers. Die Server sind hermetisch in druckbeständigen Modulen «eingenäht». In einer Tiefe von 35 Metern bleibt die Ozeantemperatur stabil und gewährleistet eine großflächige und kostenlose Wärmeableitung. Dadurch beträgt der PUE-Wert der neuen Anlage weniger als 1,15. Damit ist sie heute eines der energieeffizientesten funktionierenden Rechenzentren dieser Größenordnung weltweit.
Ökologie gegen die Elemente
Das Projekt zeigt zudem Chinas Bestreben, «grüne» Energie in die digitale Infrastruktur zu integrieren. Das unterseeische Rechenzentrum ist direkt an in der Nähe gelegene Offshore-Windkraftanlagen angeschlossen, was seinen Betrieb noch umweltfreundlicher macht.
Die Platzierung von Elektronik unter Wasser stellt jedoch erhebliche betriebliche Herausforderungen dar. Zu den Hauptgefahren gehören aggressives Salzwasser, das Korrosion verursacht, sowie der langanhaltende Einfluss des hohen Drucks auf die Ausrüstung. Zudem erfordert der Austausch von Bauteilen in der Tiefe im Gegensatz zu landgestützten Pendants außerordentliche Anstrengungen. Um diese Risiken zu minimieren und einen störungsfreien Betrieb zu gewährleisten, verlassen sich die Ingenieure in hohem Maße auf zuverlässige Unterseekabel, hermetische Modulkonstruktionen und intelligente Fernüberwachungssysteme.